Loch Lomond

Loch Lomond

Samstag, 24. Mai 2014

Inversnaid - Inverarnan - Crianlarich

Gestern ging es nach einem sehr guten kontinentalen Frühstück im Inversnaid Bunkhouse wieder relativ früh los. Zunächst mussten wir den Hügel vom Inversnaid Bunkhouse wieder herunterlaufen bis zum Inversnaid Hotel, wo der West Highland Way weiterging.

Der Weg war schon bald nicht mehr als ein Trampelpfad, der über Felsen und Wurzeln auf und ab am Ufer entlang führte. Trotz allem machte das Wandern hier mit am meisten Spass - die Landschaft war einfach zu schön.


Kurz hinter Inversnaid machte ein Schild am Wegesrand auf "Rob Roy's Cave" aufmerksam. Man musste allerdings ziemlich klettern, um die Höhle - die völlig unspektakulär war - zu erreichen. Vom Höhleneingang aus hatte man aber einen schönen Blick auf Loch Lomond.



Nach diesem Abstecher ging es zunächst über Stock und Stein weiter. Leider bin ich auf einem der Steine weggerutscht, mit dem rechten Fuß umgeknickt, auf das linke Knie drauf gefallen und konnte meinen Sturz gerade noch mit den Händen abfangen. Meinen Wanderstiefeln sei Dank ist mir aber weiter nichts passiert - mit Wanderschuhen hätte ich mir sicher den Knöchel verstaucht. So konnte ich zum Glück weiterlaufen.





Der Trampelpfad endete vorerst an einem kleinen Strand, wo wir eine kurze Pause gemacht haben, bevor es über ein offenes Feld weg vom Ufer des Loch Lomond den Hügel rauf und in den Wald ging.




Nach einigen Minuten lichtete sich der Wald aber schon wieder und gab erneut den Blick frei auf Loch Lomond und die Gipfel der Highlands.



Kurz danach erreichten wir Doune Bothy, eine der Schutzhütten am Weg, in denen man als Wanderer übernachten kann.


Zu diesem Zeitpunkt taten mir meine Füße schon extrem weh und ich hatte das Gefühl mir drei Blasen zu laufen. Der Gedanke, nach Inverarnan (das wir ja noch gar nicht erreicht hatten) noch weitere 10 km nach Crianlarich laufen zu müssen, erfüllte mich mit Schrecken. Erstmal war mein Ziel daher nur Inverarnan zu erreichen. Dazu musste ich aber erstmal die letzten drei Anstiege schaffen. Eine ziemliche Quälerei - der Blick zurück entschädigte allerdings ein bisschen.



Danach ging es dann aber nur noch bergab, bis wir nach 4:20 Stunden und 12,44 km Beinglas Farm bei Inverarnan erreichten. Ursprünglich hatten wir geplant beim Drover's Inn Pause zu machen, aber das hätte bedeutet noch ein Stückchen weiter laufen zu müssen und später wieder zur Beinglas Farm zurückkehren zu müssen, um den West Highland Way fortzusetzen. Also haben wir unsere Mittagspause auf der Beinglas Farm gemacht. 

Nachdem ich meine Füße inspiziert hatte, habe ich beschlossen, nicht weiter nach Crianlarich zu laufen, sondern den Bus zu nehmen. Zum Glück hat das Personal der Beinglas Farm darauf hingewiesen, dass der Bus oft voll sei und dann in Inverarnan keine Passagiere mehr aufnehmen würde. Man könne aber online buchen - sie würden das auch immer so machen. Im Rahmen der Onlinebuchung musste ich feststellen, dass die nächsten beiden Busse nach Crianlarich tatsächlich schon voll waren und ich erst für den Bus um 18:27 Uhr ein Ticket bekommen konnte. Ich würde also über vier Stunden warten müssen. 

Julia setzten den Weg in Begleitung einer anderen Deutschen, die wir schon mehrfach auf dem Weg gesehen hatten, fort. Daniel's Ziel war heute ohnehin Inverarnan und so leistete ich ihm zunächst Gesellschaft, während er sein Zelt aufbaute und abschließend liefen wir doch die paar hundert Meter zum Drover's Inn, um uns dort den Nachmittag zu vertreiben, bis mein Bus nach Crianlarich fuhr. Das Drover's Inn war schon ziemlich kurios - von innen und außen total abgewrackt, aber trotzdem sehr stark frequentiert - möglicherweise wegen seiner Lage direkt an der A82.


Um zwanzig nach vier schrieb Julia eine SMS, dass sie gut in Crianlarich angekommen seien, wir aber nichts verpasst hätten. Von Inverarnan bis Crianlarich führt der West Highland Way nah an der viel befahrenen A82 entlang, sodass man fast permanent den Lärm der Autos hört. Die Aussicht ist, wie Julias Bilder beweisen, trotzdem schön. 

Ich bin nach einer nur elfminütigen Busfahrt von Inverarnan dann gegen 18:45 Uhr auch endlich in Crianlarich angekommen. Dort hat mich Julia schon im Craigbank Guesthouse erwartet. Den Abend haben wir dann im Rod & Reel Pub nebenan ausklingen lassen, wo wir beide ein sehr leckeres Curry gegessen haben.





Karte Inversnaid - Inverarnan


Inversnaid - Inverarnan auf einer größeren Karte anzeigen

Donnerstag, 22. Mai 2014

Von Rowardennan nach Inversnaid

Heute sind wir wieder pünktlich um halb neun gestartet. Wir hatten mit Daniel, der letzte Nacht gezeltet hatte, verabredet, dass wir uns beim Campingplatz auf dem Weg treffen. Nachdem wir schon eine halbe Stunde gelaufen waren, kamen uns dann Zweifel, ob wir am Campingplatz vorbeigelaufen sein könnten. Nach kurzem Überlegen lief Julia zurück und ich lief weiter. Hinter der Ptarmigan Lodge kam mir Daniel dann entgegen. Er hatte weiter oben die Leute aus Philadelphia getroffen, denen ich kurz vorher erzählt hätte, dass Julia und ich uns aufgeteilt hätten, um Daniel zu suchen. Die Leute aus Philadelphia hatten Daniel mit den Worten "Are you the German firefighter? The girls are looking for you, you better go back" begrüßt. Daniel hatte viel weiter von der Jugendherberge entfernt zelten müssen, da der in der Karte verzeichnete Campingplatz geschlossen war und dann eine ganze Weile auch das Wildcampen verboten war. Zu seiner Ehrenrettung muss aber erwähnt werden, dass er auf dem Weg einen ganz eindeutigen Wegweiser zu seinem Zeltplatz hinterlassen hatte.


Heute gabe es für den ersten Abschnitt des Weges zwei Alternativen - über Stock und Stein näher am Ufer entlang oder etwas höher auf einer gut ausgebauten Schotterstraße. Eigentlich hatten wir uns überlegt unten rum zu laufen, aber der Weg war wegen Bauarbeiten gesperrt. Also sind wir doch der Schotterstraße gefolgt. Es ging stetig bergauf - allerdings mit mäßiger Steigung. Nur hin und wieder gab es einen Aussichtspunkt mit guter Sicht auf Loch Lomond. 




Nach etwa der Hälfte der Strecke endete die Schotterstraße und der Weg verengte sich auf die Breite eines Trampelpfades. Nah am Ufer ging es - teils über Felsen und Wurzel - mit wenigen kurzen Anstiegen weiter. Dieser Abschnitt war für mich ohne Zweifel der bislang schönste des West Highland Way. Links das Ufer des Loch Lomond, rechts immer wieder kleine Wasserfälle. Zwischendurch Wiesen mit lila Blumen und eine Herde Wildziegen. 














Nach nur dreieinhalb Stunden hatten wir das Inversnaid Hotel erreicht. Dort haben wir allerdings nur kurz gerastet, bevor wir den Hügel hoch zum Inversnaid Bunkhouse gelaufen sind. 


Unser Zimmer war noch nicht fertig, also haben wir zunächst in der Bar noch etwas getrunken. Anschließend haben wir uns vor Daniels Zelt gesetzt und auf dem Campingkocher zubereitete Tomatensuppen gelöffelt. 


Danach haben wir uns wieder in die Bar gesetzt, gelesen und für unseren Ruhetag in Crianlarich einen Ausflug nach Oban geplant. 

Um sechs Uhr haben wir dann schon gegessen und sitzen nun wieder in der Bar und vertreiben uns die Zeit mit Yenga und Trivia-Fragen. 



Karte Rowardennan - Inversnaid


Rowardennan - Inversnaid auf einer größeren Karte anzeigen

Mittwoch, 21. Mai 2014

Ruhetag in Rowardennan

Heute habe ich den wanderfreien Tag genutzt, um mich auszuruhen, während Julia und Daniel das schöne Wetter genutzt haben, um den Ben Lomond zu besteigen. 

Den Vormittag habe ich in der Lounge auf dem Sofa verbracht und mit Blick auf Loch Lomond den Blog-Eintrag für gestern verfasst.

Mittags habe ich mich dann aufgerafft und bin von der Jugendherberge zum Rowardennan Hotel gelaufen, um dort im Biergarten in der Sonne ein Pint Cider zu trinken und ein Sandwich zu essen. Danach habe ich mich mit meinem Buch auf einen Felsen am Ufer des Loch Lomond gesetzt, die Füße ins Wasser baumeln lassen und die Sonne und die Aussicht genossen.










Als ich um kurz vor drei wieder in der Jugendherberge war, waren auch Julia und Daniel wieder vom Ben Lomond zurückgekehrt.

Den restlichen Tag haben wir lesend zunächst draußen in der Sonne vor der Jugendherberge verbracht und sitzen jetzt wieder auf dem Sofa in der Lounge. Morgen geht es weiter, aber zum Glück sind es nur 11 km bis Inversnaid. 

Von Drymen nach Rowardennan

Gestern sind wir schon um 8:30 in Drymen gestartet. Da der Betreiber unseres B&B uns davor gewarnt hatte, dass das erste Stück des West Highland Way hinter Drymen sehr matschig sei, haben wir Drymen nicht wie vorgesehen in westlicher Richtung verlassen, um den Weg dort fortzusetzen, wo wir vorgestern nach Drymen abgebogen waren, sondern sind auf einem schmalen Sträßchen in nördlicher Richtung aus Drymen hinaus gelaufen.

Zunächst ging die Straße stetig, aber beständig bergauf, bevor sie am Rande des Garadhban Forest eine Kurve nach rechts machte und dann noch ein paar hundert Meter weiter bergauf führte. Nach einer halben Stunde stieß die Straße mit dem West Highland Way zusammen und wir Bogen links ab in den Garadhban Forrest. Hier ging es für eine kurze Weile durch einen Koniferenwald und das Laufen ging gut. Bald lichtete sich der Wald allerdings und gab den Blick frei auf gerodete Hügel.





Wir wurde auch einige Male von Holztransportern überholt. Der Vorteil war allerdings, dass wir nun auch einen schönen Ausblick auf Loch Lomond hatten. 



Als wir kurz anhielten, um ein paar Photos zu machen, holte uns ein anderer Wanderer, Daniel, ein, der wie sich herausstellte aus Aachen kam. Er war schwer beladen mit einem 25kg Rucksack und erzählte uns, dass er die 16 km am gestrigen Tag in 3 Stunden gelaufen sei. Er habe aber nichts dagegen, etwas langsamer zu laufen. Zu dritt setzten wir also unseren Weg Richtung Balmaha fort. 



Der Weg führte jetzt über offenes Moorland, das von einigen kleineren Bächen durchzogen war. Wir kamen gut voran und freuten uns über die Landschaft und das immer besser werdende Wetter.


Ich war noch nicht ganz sicher, ob ich den Weg über den Conic Hill oder den leichteren Weg über Milton of Buchanan nehmen sollte. Der Betreiber unseres B&B hatte gesagt, dass wir auf den Conic Hill steigen sollten, wenn wir ihn von der Weggabelung, wo es nach Milton of Buchanan links abgehe, sehen könnten. So wollten wir es auch machen. Aber wir sind scheinbar an der Weggabelung vorbei gelaufen, ohne sie zu erkennen. Jedenfalls war irgendwann klar, dass wir schon mitten auf dem Weg über den Conic Hill waren. 


Julia und Daniel gingen voraus, ich folgte langsam hinterher. Oben angekommen gab es noch einen 5-Minuten-Abstecher auf den "Gipfel" des Conic Hill. Ich habe ihn mir gespart und bei schönstem Sonnenschein eine kleine Pause mit Kaffee und Energieriegel gemacht, während die beiden anderen noch schnell dort hoch gelaufen sind, um die Aussicht zu genießen. Die Aussicht von meinem Rastplatz am Wegesrand war aber auch schön.







Von hier an ging es über Stock und Stein recht steil den Hügel wieder herunter. 



Gegen Mittag erreichten wir auch schon Balmaha und hatten damit die Hälfte der Strecke geschafft. Im Oak Tree Inn stärkten wir uns mit einer Tomatensuppe und trafen auch zwei Amerikaner aus Colorado wieder, denen wir schon gestern begegnet waren. 

Nach einer eher kurzen Pause starteten wir auf die zweite Etappe. Der Reiseführer schrieb dazu: 

"This is the first 11 km of interesting walking along the "bonnie banks" of Loch Lomond. There are no major climbs though the path does rise and fall many times ..." 



Direkt hinter Balmaha kam dann aber doch wieder ein Anstieg und es sollte noch der geringste von Anstiegen sein, die noch kommen sollten. Für diesen Anstieg wurden wir aber mit einem sehr schönen Ausblick auf Loch Lomond entlohnt. 




Zum Glück folgte der Pfad dann tatsächlich eine ganze Weile dem Ufer des Loch Lomond und führte teilweise sogar über den Strand. 



Kurze Zeit später traf der Weg allerdings auf die Straße und folgte dieser eine ganze Weile, bevor es links wieder in den Wald und auch wieder bergauf ging. Aber die Steigung hier war noch erträglich. 

Leider war mir mein Wasser ausgegangen, so dass ich schon befürchtete den Rest des Weges bis Rowardennan nichts mehr zu trinken zu bekommen. Aber zum Glück gab es am Campingplatz in Cashel einen kleinen Laden, wo ich mich mit zwei gekühlten 0,5 l Wasserflaschen ausstatten konnte. 

Es folgte der nächste kleine Anstieg und ich dachte, dass es doch jetzt endlich mal ein Ende haben könnte mit dem ewigen auf und ab. "No major climbs" stand doch im Reiseführer - "rises and falls many times" empfand ich als Untertreibung des Jahrhunderts und dabei sollte der schlimmste Anstieg noch kommen. 

Kurz hinter Sallochy wandte sich der Pfad vom Ufer ab und führte wieder in den Wald - und zwar steil den Hügel hoch. Selbst im Reiseführer stand auf der Karte an dieser Stelle "Stiff 90m climb". Ich quälte mich den Hügel hoch, Julia und Daniel kletterten wie die Gemsen voran. An dieser Stelle finden gerade Bauarbeiten statt - es werden Stufen angelegt, so dass man hier in Zukunft vielleicht etwas leichter raufkommt. 

Als Entschädigung führte der Pfad dann ein kurzes Stück über Holzstege durch mooriges Gelände. Hinter der Mill of Ross überquerte der Weg einen Fluss. Bis Rowardennan sollten es von hier laut Schild noch zwei Meilen sein. Nun folgte ein Abschnitt, der im Reiseführer auf der Karte mit der Bemerkung "Tiring, undulating path" versehen war. Und so war es auch - rauf und runter und wieder rauf. Und wieder runter und wieder rauf. Mehr als einmal dachte ich mir "Ich hasse Wandern".



Irgendwann nach insgesamt sieben Stunden Laufen haben wir Rowardennan dann doch erreicht. Ich war noch nie so froh, meine Stiefel ausziehen zu können. Nach einer warmen Dusche sah die Welt auch schon wieder besser aus. Und es gab ja auch das Drei-Gänge-Menü, auf das ich mich freuen konnte. 

Daniel hatte sich statt zu zelten auch in der Jugendherberge eingemietet und so haben wir gemeinsam gegessen und danach mit einem Bier auf dem Sofa in der Lounge gesessen, die Füße hochgelegt und den Ausblick auf Loch Lomond genossen. 



Nach diesem anstrengenden Tag war ich froh gegen zehn Uhr ins Bett zu fallen. Leider war die Nacht nicht so erholsam, weil im Zimmer gegenüber eine Schülergruppe bis halb drei morgens ziemlichen Lärm machten und durch ein kleines Fenster über der Tür das Notlicht auf dem Flur auch unser Zimmer erhellte.